Wenn in Regionen wie Nordkanada, Alaska, Skandinavien, der Mongolei oder Sibirien der Winter einbricht, stehen Maschinenführer vor Herausforderungen, die weit über Schnee und Eis hinausgehen. Temperaturen von -20 °C, -30 °C oder sogar darunter können die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer von Fahrwerkskomponenten erheblich beeinträchtigen.
Viele Bauunternehmer konzentrieren sich im Winter auf den Schutz von Motoren, Hydrauliksystemen und Batterien. Doch einer der empfindlichsten Bereiche jeder Kettenmaschine ist das Fahrwerk. Ketten, Laufrollen, Leiträder und Kettenräder sind täglich direkt dem gefrorenen Boden, Eisbildung und extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt.
Ohne angemessene Vorbereitung und Wartung kann kaltes Wetter den Verschleiß beschleunigen, die Betriebskosten erhöhen und zu unerwarteten Ausfallzeiten führen.
Warum kaltes Wetter die Fahrwerkskomponenten belastet
Stahl ist so konstruiert, dass er hohen Belastungen und wiederholten Stößen standhält. Sein Verhalten ändert sich jedoch mit sinkenden Temperaturen.
Unter normalen Betriebsbedingungen kann Stahl Stöße und Vibrationen durch seine Festigkeit und Zähigkeit absorbieren. In extrem kalten Umgebungen verlieren einige Stahlsorten jedoch allmählich an Zähigkeit und werden anfälliger für Risse unter Belastung.
Das bedeutet, dass ein Kettenglied oder eine Walze, die im Sommer einwandfrei funktioniert, bei Betrieb auf gefrorenem, unebenem Untergrund im Winter deutlich höheren Belastungen ausgesetzt sein kann.
Das Risiko steigt noch, wenn Maschinen häufig über unter Schnee oder gefrorenem Boden verborgene Felsen fahren. Plötzliche Stöße können Spannungsspitzen erzeugen, die schließlich zu Rissen oder Bauteilversagen führen können.
Aus diesem Grund spielen die Materialqualität und die Wärmebehandlung eine entscheidende Rolle für die Zuverlässigkeit des Fahrwerks bei Anwendungen in kalten Klimazonen.
Viele Anwender gehen davon aus, dass gefrorener Boden den Verschleiß verringert, weil die Oberfläche härter und trockener wird.
In der Realität birgt gefrorenes Gelände oft neue Herausforderungen.
Wenn der Boden gefriert, verliert er seine Flexibilität. Die Bodenoberfläche wird härter, wodurch die direkt auf das Fahrgestell wirkenden Stoßbelastungen zunehmen. Gleichzeitig werden verborgene Hindernisse wie Steine, Eisrücken und gefrorenes Geröll schwerer zu erkennen.
Dadurch werden die Bauteile stärkeren Stoßbelastungen ausgesetzt, als sie es unter normalen Bedingungen wären.
Bei Bergbaubetrieben, Forstprojekten und Baustellen in nördlichen Regionen wird häufig eine erhöhte Belastung festgestellt:
- Track-Links
- Laufrollen
- Tragrollen
- Leerlauf
- Kettenräder
Regelmäßige Inspektionen gewinnen während des Winterbetriebs noch mehr an Bedeutung.
Schmierungsherausforderungen bei niedrigen Temperaturen
Schmierung ist ein weiterer entscheidender Faktor, der oft übersehen wird.
Mit sinkenden Temperaturen steigt die Viskosität von Schmierstoffen. Vereinfacht gesagt: Fette und Öle werden dickflüssiger und fließen schlechter.
Bei nachlassender Schmierleistung erhöht sich der Metall-auf-Metall-Kontakt in beweglichen Bauteilen. Dies kann den Verschleiß von Bolzen, Buchsen, Lagern und Dichtungen beschleunigen.
Unter extremen Bedingungen kann unzureichende Schmierung zu Folgendem beitragen:
- Erhöhte Reibung
- Höhere Betriebstemperaturen
- Vorzeitiger Verschleiß
- Beschädigung der Dichtung
- Verkürzte Bauteillebensdauer
Vor Beginn des Winters sollten die Betreiber überprüfen, ob alle Schmierstoffe die empfohlenen Temperaturanforderungen für ihre Arbeitsumgebung erfüllen.
Synthetische Schmierstoffe, die für den Einsatz bei niedrigen Temperaturen entwickelt wurden, bieten im Allgemeinen bessere Fließeigenschaften und einen verbesserten Schutz bei extremen Kältebedingungen.
Häufige Probleme mit dem Fahrwerk im Winter
Aus praktischen Erfahrungen bei Einsätzen in kalten Klimazonen geht hervor, dass in den Wintermonaten immer wieder mehrere Probleme auftreten.
Gefrorene Gleisketten
Während des Betriebs können sich Schnee, Schlamm und Wasser zwischen den Gleiskomponenten ansammeln.
Wenn die Temperaturen über Nacht sinken, gefriert dieses Material und behindert die normale Bewegung der Schienen. Der Versuch, die Maschine zu bewegen, ohne vorher das Eis aufzubrechen, kann zu übermäßiger Belastung von Bolzen, Buchsen und Fahrmotoren führen.
Eisbildung an Rollen und Umlenkrollen
Verdichteter Schnee und Eis können sich um Walzen und Leitrollen herum ansammeln und die normale Rotation beeinträchtigen.
Wird dem nicht entgegengewirkt, kann zusätzlicher Widerstand den Verschleiß erhöhen und unnötige Belastungen auf das gesamte Fahrwerkssystem ausüben.
Erhöhte Gleisspannung
Gefrorener Schlamm und festgefahrenes Eis können die Gleisspannung künstlich erhöhen.
Übermäßige Spannung beschleunigt den Verschleiß von:
Gleisketten
Kettenräder
Rollen
Leerlauf
Regelmäßige Spannungsprüfungen sind insbesondere während des Winterbetriebs wichtig.
Beschädigung der Dichtung
Große Temperaturunterschiede zwischen Betriebsbedingungen und Bedingungen bei der Übernachtlagerung können Dichtungssysteme belasten.
Beschädigte Dichtungen können das Eindringen von Verunreinigungen in die Bauteile ermöglichen, was zu Schmierstoffverlust und vorzeitigem Ausfall führt.
Praktische Tipps zur Winterwartung
Mit einigen einfachen Wartungsmaßnahmen lassen sich winterbedingte Probleme am Fahrwerk deutlich reduzieren.
1. Reinigen Sie den Unterboden täglich.
Schnee, Eis, Schlamm und Schutt sollten nach Möglichkeit am Ende jeder Schicht entfernt werden.
Dadurch wird verhindert, dass das Material über Nacht gefriert, und das Risiko einer Funktionsstörung der Komponenten am folgenden Tag verringert.
2. Auf trockenem, erhöhtem Gelände parken.
Vermeiden Sie Parkplätze an Orten, an denen sich Wasser ansammeln kann.
Nutzen Sie nach Möglichkeit Holzplanken, Kiesflächen oder erhöhtes Gelände, um das Risiko des Festfrierens der Gleise an der Oberfläche zu minimieren.
3. Gleisspannung regelmäßig prüfen.
Die Gleisspannung sollte im Winter häufiger überprüft werden als während der normalen Betriebssaison.
Eisbildung kann die Spannungsverhältnisse schnell verändern und den Verschleiß im gesamten Fahrwerkssystem beschleunigen.
4. Ausreichende Aufwärmzeit einplanen.
Bevor Sie mit der vollen Produktion beginnen, lassen Sie die Maschine einige Minuten lang mit niedriger Drehzahl laufen.
Dies trägt zur Zirkulation der Schmierstoffe bei, verringert die anfängliche Reibung und bringt die Bauteile allmählich auf Betriebstemperatur.
5. Verschleißteile genau überwachen
Winterliche Bedingungen können Schäden beschleunigen, die möglicherweise nicht sofort sichtbar sind.
Bei regelmäßigen Inspektionen sollten folgende Punkte im Fokus stehen:
- Walzenzustand
- Verschleiß der Verbindungsglieder
- Buchsenverschleiß
- Kettenradzähne
- Dichtheit
Eine frühzeitige Erkennung verhindert oft teure Reparaturen im späteren Verlauf.
Auswahl von Fahrwerksteilen für kalte Umgebungen
Nicht alle Fahrwerkskomponenten sind für extreme Kälte ausgelegt.
Bei Geräten, die im nördlichen Bergbau, in der Forstwirtschaft oder im schweren Bauwesen eingesetzt werden, ist die Materialauswahl von besonderer Bedeutung.
Hochwertige Bauteile, die mit geeigneten Legierungszusammensetzungen, kontrollierten Wärmebehandlungsverfahren und strengen Qualitätsstandards hergestellt werden, bieten im Allgemeinen eine bessere Beständigkeit gegenüber Stoßbelastungen und temperaturbedingten Spannungen.
Bei der Auswahl von Ersatzteilen sollten die Bediener sowohl Verschleißfestigkeit als auch Robustheit berücksichtigen, insbesondere wenn die Maschinen regelmäßig in Umgebungen mit Minustemperaturen eingesetzt werden.
Schlussbetrachtung
Winterliche Bedingungen stellen Kettenfahrzeuge vor besondere Herausforderungen. Gefrorener Boden, erhöhte Stoßbelastungen, dickflüssigere Schmierstoffe und Eisbildung können die Lebensdauer des Fahrwerks verkürzen, wenn sie nicht sachgemäß behandelt werden.
Ein proaktives Wartungsprogramm beseitigt zwar nicht jedes Risiko, kann aber unerwartete Ausfallzeiten und kostspielige Reparaturen deutlich reduzieren.
Regelmäßige Inspektionen, ordnungsgemäße Schmierung, korrekte Kettenspannung und hochwertige Fahrwerkskomponenten bleiben die Grundlage für einen zuverlässigen Winterbetrieb.
Für Bauunternehmer, die in extrem kalten Umgebungen arbeiten, ist die Vorbereitung vor dem ersten Schneefall oft der entscheidende Faktor zwischen einer produktiven und einer kostspieligen Wintersaison.
Veröffentlichungsdatum: 23. Juni 2026


